Märchen nähren die Seele

Begeisterte Erzähler – gebannte Zuhörer

Die Kirchengemeinde Appenweier -Durbach lud am Samstag zu einem Erzählabend der besonderen Art ein. Die Zusammenkunft im Lichthof der Rebstockhalle in Nesselried mutete an, wie einst die abendlichen Treffen unter der Dorflinde. Frieden, Ruhe und heitere Gelassenheit prägten die Atmosphäre. Acht Erzählerinnen waren bestens für ihren ansprechenden Auftritt vorbereitet. In stilvolle Kleider gewandet, wagten sie sich nach zwei Online-Kursen bei Annika Hofmann in die Öffentlichkeit. Ihr Funke der Begeisterung sprang rasch auf das Publikum über. Kleine und große Zuhörer lauschten gebannt „dem freien, authentischen und kraftvollen Sprechen“, das Frau Hofmann im Online-Kurs vermittelt hatte. Zum ersten Mal begegneten sich die Akteure an diesem Abend persönlich.

Eigenwillige Prinzessin, Abendteuer der Ziegenböcke und zauberhafte Geschenke
Kinder hatten ihre helle Freude bei der Geschichte von einer höchst eigensinnigen „Prinzessin, die keine Brille tragen wollte“ (Simone Maier, Lauchheim). Abenteuerlich war die Erzählung der „drei Böcke Brausewind“, die allesamt denselben Namen trugen (Leni Leitgeb, Brixen). Maria Fraundorfer-Winderl aus Holzkirchen schenkte den Kindern nach ihrer Geschichte von der „Steinsuppe“ magische Steine. Ebenso zauberhaft wirkte der Inhalt des „kleinen Schächtelchens von Clara“, um das Monika Hirschelmann aus Leipzig ihre Geschichte wob.
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Zartheit, Komik, Groll und Witz nah beieinander
Nach einer erholsamen Pause boten vielfach verzweigte Handlungsstränge den Erwachsenen erbauliche Weisheiten. Sämtliche Erzählerinnen strotzten vor Energie beim lebhaften Vortrag ihrer anspruchsvollen Texte. Schauspielerisches Talent, geheimnisvolle Ausstrahlung in Stimme, Gesichtsausdruck und Bewegung machten die Zuhörer zu nahen Zeugen der jeweiligen Geschichte. Althergebrachte Worte, stilvolle doch einfache Sprache und angenehmes Sprachtempo zogen das erstaunte Publikum bis zuletzt in ihren Bann. Zartheit, Komik, Groll und Witz lagen eng beieinander. Man hätte heulen können mit der alten Magda, die um ihren kranken Ziegenbock weinte. Kurz darauf lachten alle laut bei deren witzigem Herumhüpfen (Dorothee Schanze, Melsungen). Ein feiner Geruch von Rührei mit Schnittlauch lag über der Erzählung vom alten Väterchen, dessen wechselhaftes Schicksal im Glück endete (Ulrike Saarbourg, Bad Boll). Christl Subiabre aus Schongau verkörperte mit ihrer Erzählkunst die einfache Lebensart „des armen Korbmachers“. Im melodischen Auf und Ab ihrer Stimme verbarg sich zarte Liebe, Glück und Weisheit. Schließlich brachte Ryka Krüger aus Fehmarn mit der delikaten Liebesgeschichte „Giulietta“ aus dem Venedig des 16. Jahrhunderts das Publikum zum Schmunzeln.
  „Wir brauchen Menschen, die in uns sehen, was wir wirklich sind!“
Gute Tontechnik, Virtuose Klänge Walter Radenz erleichterte mit sehr guter Tonqualität das Zuhören. Rolf Lehmann (Gitarre) und Stephan Thüsing (Klarinette/selbst auch Geschichtenerzähler) erfreuten die Gäste zwischendurch mit virtuosen Klängen. Sie spielten unter anderem „Idas Sommerlied“ sowie Werke von Leonard Cohen, Carlos Gardel und einen Tango. Das übermütig anmutende Jauchzen und Glucksen der Klarinette sorgte für fröhliche Gesichter. Getränke und Snacks machten den Abend „komplett“. Für die Uraufführung erhielt das Märchen-Ensemble rauschenden Beifall! Annika Hofmann dankte Stephan Thüsing für die gute Organisation der inhaltsreichen Veranstaltung. Als Lehrende hatte sie den Weg für die Erzählenden auf „die Bühne ihres Lebens“ begleitet. „Wir brauchen Menschen, die in uns sehen, was wir wirklich sind,“ sagte sie in ihrer abschließenden Rede: „Ihr Glaube an uns lässt uns über uns selbst hinauswachsen!“ Das hat dieser Abend weitreichend bewiesen.
Rosa Harmuth (Offenburger Tageblatt)
Ein großes Dankeschön an das Orgateam aus unseren Kinderkirchen in Nesselried, Ebersweier und Durbach!
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Ludmila Blum (Durbach), Petra Joggerst + Birgit Heuberger (Nesselried), Sabrina Martin (Ebersweier)
 
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Hintere Reihe von links nach rechts:
Christl Subiabre, Schongau
Ulrike Saarbourg, Bad Boll
Ryka Krüger, Fehmarn
Leni Leitgeb, Brixen
 
Vordere Reihe von links nach rechts:
Simone Maier, Lauchheim
Stephan Thüsing , Durbach-Ebersweier
Monika Hirschelmann, Markkleeberg
Annika Hofmann, Weitnau im Allgäu
Maria Fraundorfer-Winderl, Holzkirchen
Dorothee Schanze, Melsungen