Das Patrozinium in Nesselried ist nicht nur deshalb etwas besonderes, weil es immer mitten in die Ferien fällt. Maria Himmelfahrt kommt mit Freude und bunten Kräterbüscheln daher.
Mariä Himmelfahrt in Nesselried
Wieder einmal jährte sich in Nesselried der Tag, an dem die Uhren gefühlt langsamer laufen, an dem die Arbeit zu ruhen scheint, an dem Blumen zu bunten Blumengestecken, den Wihennen gebunden werden, an dem ehemalige Nesselrieder in die Heimat kommen und ihre Familien besuchen. Es scheint nicht mehr viele Gemeinden zu geben, in denen das Kirchenpatronat am Tag selbst mit einem morgendlichen Gottesdienst gefeiert wird und anschließend eine Prozession durch den Ort führt. All dies trifft auf Nesselried zu, der seine Kirchenpatronin am 15. August, dem Fest Maria Himmelfahrt, ehrt.
Umso bemerkenswerter scheint die Feier des weithin bekannten Nesselrieder Fests, da es mitten in den Sommerferien liegt. Dennoch – für viele Ortsansässige ist die Bewahrung dieses traditionsreichen Tages ein großes Anliegen.
Am Marienbrunnen
Bereits am Vorabend hatte das Gemeindeteam zu einer Marienandacht geladen, um mit Texten und Liedern auf den Feiertag einzustimmen. In einer modernen Betrachtung des Magnificats, Marias Lobgesang, wurden viele Gedanken vorgetragen, wie man diesen alten Text in der heutigen Zeit sehen kann. Nach dem Segensgebet saßen die Besucher der Andacht noch gesellig beim Marienbrunnen zusammen.
Der Feiertag selbst begann in der festlich geschmückten Pfarrkirche. Nachdem in der Corona-Zeit die Messe immer auf dem Kirchvorplatz stattgefunden hatte, merkte man den Beteiligten die Freude an, das Patrozinium wieder im Gotteshaus feiern zu dürfen.
Die Geistlichen Thomas Dempfle und Martin Sauer zogen, begleitet von zahlreichen Ministranten, in die voll besetzte Kirche ein. Ein schönes Zeichen war, dass Ministranten aus der Seelsorgeeinheit aushalfen, weil von den örtlichen Ministranten viele im Ferienlager weilten.
Bestens aufgelegt waren die Musiker, die den Gottesdienst und später die Prozession begleiteten. Fabian Knopf dirigierte den Kirchenchor, der mit der Messe brève von Charles Gounod und dem Einzugsstück „Preiset froh den König“ eine festliche Stimmung verbreitete. Begleitet wurden Chor und die Gemeinde bei den Liedern vom Organisten Tobias Götz.
In seiner Predigt begann Pfarrer Thomas Dempfle mit einer ernüchternden Feststellung. „Die Pandemie ist vorbei, die Kirchen bleiben leer.“ Dabei erstellte er eine realistische Analyse – denn auch die Amtskirche leiste ihren Beitrag zur Entwicklung: Pfarrgemeindereformen, Skandale, Stolpersteine im synodalen Weg machten den Glauben an die Institution nicht immer leicht.
Dagegen solle das Nesselrieder Fest dazu ermutigen, dass Menschen sich zu einem Leben in Fülle und Freude berufen fühlen. „Wenn wir Gott suchen, werden wir ihn auch finden. Stellen wir uns unter seinen Segen, wird er uns begegnen“ so der Geistliche.
ARZ 17.08.2023
ARZ 17.08.2023
