Auferstehung - wenn wir dieses Wort hören, denken wir an Ostern, an das Glaubensbekenntnis. Manchmal beschleicht uns das Gedanke: kann ich das glauben, wie soll ich mir das vorstellen?
Was bedeutet das – für mich?
Manchmal stehen wir auf
Marie-Luise Kaschnitz überträgt in ihrem Gedicht dieses Wort in den Alltag: Mitten am Tag, mit Haut und Haar, also mit unserem ganzen Sein – stehen wir auf.
Das Alltägliche bleibt – die Weckuhren und Leuchtzeiger stehen als Beispiel dafür – aber etwas Wesentliches hat sich verändert. Die Dichterin deutet es nur an in den Worten „leicht, unverwundbar, Haus aus Licht“.
Sie beschreibt ein inneres Ereignis, eine Veränderung, eine Wandlung: Auferstehung als eine gegenwärtige Erfahrung nicht eine zukünftige nach dem Tod.
Es ist eine Metapher der Hoffnung inmitten von Verzweiflung und Erfahrungen von Schmerz und Leid.
Auferstehung kann heißen: neues Leben spüren, die Schönheit des Lebens erahnen trotz allem Unglück.
Auferstehung kann heißen: das Leben geht weiter nach Krise, Krankheit, Verlust, verändert, vielleicht beschädigt, aber es geht weiter – trotz allem.
Gott bleibt an unserer Seite.
Brigitte Mans
In einem ähnlichen Text von Ruth Rau lesen wir:
aufstehen
den Staub abschütteln
die Augen reiben
die Arme ausbreiten
tief einatmen
ein paar Schritte tanzen
hüpfen
das Leben umarmen
ganz neu beginnen.
Der Liedtexter Alois Albrecht hat den Gedanken Auferstehung mitten am Tag aufgegriffen in dem Lied: „Manchmal feiern wir mitten am Tag ein Fest der Auferstehung“ (GL 472)
Stunden werden eingeschmolzen – und ein Glück ist da!
Mitten im Wort: Sätze werden aufgebrochen – und ein Lied ist da!
Mitten im Streit: Waffen werden umgeschmiedet – und ein Friede ist da!
Mitten im Tun: Sperren werden überwunden – und ein Geist ist da!
